Mall of Berlin mit großer Fanfare eröffnet

 

Berlin hat ein weiteres Einkaufszentrum, riesig groß und in prominenter Lage. Exakt dort, wo am Leipziger Platz einst das legendäre Kaufhaus Wertheim stand, stehen dem Einzelhandel nun 270 Läden auf 76.000 m² zur Verfügung. Das Gros hat Mieter gefunden und präsentierte sich am Eröffnungsabend mit Sonderangeboten und manchem Freigetränk. Von den ebenfalls etwa 270 Wohnungen im (sehr) gehobenen Segment sind viele noch zu haben.

In Größe, Lage, architektonischemS1050008neu Anspruch sind Unterschiede, ist ein gehobenes Niveau deutlich erkennbar. Was das eigentliche Einkaufserlebnis angeht, ist ein erheblicher Teil mit den üblichen Verdächtigen belegt, jenen Ketten, die auch in jedem anderen Center anzutreffen sind. Ob neben der schieren Größe auch die etwas spezielleren Läden, wie etwa das in Sahnetorten und Zuckerbäckerstil schwelgende Café Lucré die erhoffte Anziehungskraft entwickeln helfen, wird eine der spannenden Fragen dieses Projekts sein.

Die Vielfalt ist beeindruckend, beispielhaft seien hier die Monolabel-Stores im Denim Bereich genannt: Armani Jeans, Denim & Supply Ralph Lauren, Frisco Jeans, G-Star, Guess, Hollister, Jack&Jones, Levi’s, Mavi, One Green Elephant, Pepe Jeans, Tommy Hilfiger, alle sind in der Mall of Berlin anzutreffen, wobei Jeans natürlich auch noch in etlichen weiteren Shops angeboten werden. Den auch präsenten Aldi könnte man als Kontrapunkt oder auch durchaus sinnvolle Erdung ansehen. Der Bereich Fashion und Styling dominiert die Mall mit deutlicher Übermacht, der Food Court mit etwa 30 Restaurants ist der größte Berlins, und erinnert an amerikanische Malls, in denen allerdings auch ein Multiplex Kino nicht fehlen dürfte, welches es hier dann doch nicht gibt.

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Beim „Pre-Opening“ wurde groß aufgefahren, zuerst einmal mit einem etwas ausufernden Redemarathon. Eröffnet wurde dieses mit dem vor Stolz fast platzenden Chefinvestor Harald G. Huth, dem es gelang, durch Erwähnung der Berlin-typischen Problematik der Fertigstellung größerer Bauprojekte im allgemeinen und des BER Flughafens im besonderen den Regierenden Klaus Wowereit zu einer fröhlichen Frotzelei über die etlichen Terminverschiebungen der gerade abgefeierten Mall zu provozieren („hatte den Termin auch schon dreimal im Kalender“). Dem folgten eine brave Ansprache des möglichen Wowereit Nachfolgers Michael Müller in seiner Eigenschaft als Stadtentwicklungs-Senator, und der gewichtige Einzelhandels-Verbandschef Nils Busch-Petersen, der auf die passende Koinzidenz verwies, dass die Eröffnung mit dem jüdischen Neujahrsfest zusammenfiel, ein angesichts der Geschichte des Ortes signifikantes Moment. Schließlich wurde als anrührendes Extra eine 90jährige Schmuckverkäuferin interviewt, die noch im Kaufhaus Wertheim gelernt und gearbeitet hatte.

Das Sitzfleisch der Gäste wurde dann mit einer musikalischen Kostüm Revue belohnt, welche die viel beschworene Geschichte des Ortes anschaulich machte, mit großem Live-Orchester, Gesang und Tanz und Video auf drei Grossleinwänden. Diese Produktion war so gelungen, dass es ausgesprochen schade ist, sie nur einmalig den Premieren Gästen vorzuführen. Ein Feuerwerk war das Finale, alles in allem eine Mini Ausgabe einer Eröffnungsfeier, wie man sie etwa von sportlichen Großveranstaltungen kennt.

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Nun muss das konsumierende Volk entscheiden, was diese neue, gewaltige Verkaufsfläche wirklich Wert ist, und ob der Anspruch, nicht nur Einkaufszentrum, sondern „Quartier“ zu sein, städtebaulich einen Anschluss zwischen Potsdamer Platz und Friedrichstraße zu schaffen, erfüllt werden kann.

Auf dem Nachhauseweg fiel die heftige Plakatierung der Potsdamer Platz Arkaden im U-Bahnhof und der gesamten Umgebung auf, gerade so, als solle der Besucher unbedingt von der Mall of Berlin weg geleitet werden. Möglicher Weise sieht die Konkurrenz den Zuwachs doch nicht so ganz als Belebung des Geschäfts.

Frank B. Halfar für europefashion berlin

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