Neues Siegel für nachhaltig produzierte Kleidung

Sustainability Letter No 13

Aktueller Stand: neues Siegel für nachhaltig produzierte Kleidung auf Initiative von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller Mode mit besonderer Qualität
Er polarisiert, wird kritisiert und schafft somit eine breite Öffentlichkeit für ein Thema, das selbst unter Brancheninsidern schwer zu überblicken scheint. Die Rede ist von der geplanten Einführung eines neuen Textilsiegels durch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller. Im Zuge dessen hatte er, anlässlich des Jahrestages des Einsturzes der Fabrikgebäude des Rana Plaza in Bangladesch den ersten „Runden Tisch Textil“ mit Vertretern aus der Textilwirtschaft, Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft initiiert. Doch was ist bis jetzt daraus resultiert?
Die TextilWirtschaft tituliert in einer ihrer letzten Ausgaben „Die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau“ und der Rat für Nachhaltige Entwicklung spricht von einem „Umstrittenen Textilsiegel“. Er hat es schwer, der Herr Minister Müller. Und doch scheint er in ein Wespennest gestochen zu haben, denn dieses Thema verspricht einen „echten Ritt auf dem Vulkan“: zu viele Interessen, Befindlichkeiten und Animositäten. Doch Fakt ist: derzeit existiert kein Zertifikat, welches eine vollständige Transparenz entlang der gesamten textile Kette abbildet und garantiert. Und mit aller Wahrscheinlichkeit wird eine 100%ige Transparenz auch in naher Zukunft nicht möglich sein, vor allem in großen Industriebetrieben. Kleinen Modelabeln gelingt dies wie der GreenShowroom und die Ethical Fashion Show in Berlin zeigten, doch in der Massenproduktion scheint dies noch „reine Zukunftsmusik“.
Und dennoch sollte das Ziel einer vollkommenen Transparenz nicht aus den Augen verloren werden, denn zu viel ist passiert, zu wenig wurde kontrolliert, vieles fand in einer „Black Box“ statt, quasi im Stillen und Geheimen. Wären da nicht die lästigen Reporter, die sich nicht scheuen, bis in die entlegensten Ecken der Erde zu reisen und aufzudecken, unter welchen Bedingungen produziert wird.
Der entscheidende Faktor für diese katastrophalen Bedingungen ist und bleibt der Preis. Er ist alles entscheidend. Günstig, günstiger, am günstigsten – die Preise für Bekleidung sinken und sinken. Der Slogan „Geiz ist geil“ könnte nicht sarkastischer sein. Oftmals legen Kleidungsstücke wie T-Shirts entlang der textilen Kette mehrere tausende Kilometer rund um den Globus zurück, um dann doch für knapp 5 EUR über den Ladentisch zu gehen. Und dann wurde daran noch verdient. Unvorstellbar für den Laien, hartes Geschäft für die Profis.
Was sagt uns das? Der Schlüssel ist der Endverbraucher. Solange er nicht bereit ist, mehr Geld auszugeben und gezielt nach dem Hintergrund der Herstellungskette zu fragen, wird sich wenig ändern. Doch kann man den „schwarzen Peter“ allein dem Endverbraucher zuschreiben? Sicher nicht. Denn de facto hat er kaum eine Chance sich adäquat zu informieren. Und woran soll er sich auch orientieren? In dem derzeitigen Zertifikate-Dschungel ist es teilweise schon für Branchenprofis schwierig, den Überblick zu behalten.
Sehr geehrter Herr Minister Müller, ihr Engagement ist richtig und wichtig!

Journalistenoffice

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